Was renale Anämie und Eisenmangel bedeuten – verständlich erklärt

Folgen chronischer Nierenerkrankungen

Folgen früh erkennen – gemeinsam gut behandeln

Eine chronische Nierenerkrankung (englisch: Chronic Kidney Disease, CKD) betrifft nicht nur die Filterleistung der Nieren. Sie kann auch die Blutbildung und den Eisenhaushalt beeinflussen. Manche Veränderungen entstehen langsam und bleiben zunächst unbemerkt. 1-3

Das kann beunruhigend klingen. Wichtig ist: Nicht jede Folge tritt bei jedem Menschen auf. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Behandlung an Ihre persönliche Situation anzupassen. 1-3

Erfahren Sie, wie eine renale Anämie und ein Eisenmangel mit einer chronischen Nierenerkrankung zusammenhängen können, welche Beschwerden möglich sind und wie Ärztinnen und Ärzte bei Diagnose und Behandlung vorgehen.

Renale Anämie

Wenn das Blut weniger Sauerstoff transportieren kann

Was ist eine renale Anämie? Bei einer Anämie (Blutarmut) gibt es zu wenig roten Blutfarbstoff – das Hämoglobin – und/oder zu wenige rote Blutkörperchen (Erythrozyten). Hämoglobin transportiert Sauerstoff durch den Körper, der unter anderem für den Energiestoffwechsel unentbehrlich ist. Gesunde Nieren bilden das Hormon Erythropoetin (EPO), das die Bildung roter Blutkörperchen – Erythropoese genannt – anregt. Bei einer chronischen Nierenerkrankung kann die EPO-Bildung abnehmen. 2, 3

Auch Eisenmangel, Entzündungen, Blutverluste oder andere Erkrankungen können eine Anämie verursachen oder verstärken. Deshalb ist nicht jede Blutarmut bei Menschen mit CKD automatisch eine renale Anämie. 2, 3

Wie häufig ist sie? In frühen Stadien der CKD ist eine Anämie eher selten. Mit abnehmender Nierenfunktion wird sie häufiger; bei stark eingeschränkter Nierenfunktion (Stadien G4 und G5) ist mehr als die Hälfte der Betroffenen anämisch. 3

Mögliche Beschwerden

Eine Anämie kann sich zum Beispiel bemerkbar machen durch:

  • anhaltende Müdigkeit oder Erschöpfung

  • nachlassende körperliche Belastbarkeit

  • Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung

  • Kopfschmerzen

  • Konzentrationsprobleme oder ein Gefühl von „Nebel im Kopf“

  • Schlafprobleme

Diese Beschwerden sind nicht eindeutig und können viele Ursachen haben. Ob eine Anämie vorliegt, lässt sich nur durch eine Blutuntersuchung feststellen. 3

Sie müssen nicht alles auf einmal ändern

Angehörige, das Behandlungsteam, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen können Wissen, Erfahrung und praktische Hilfe beisteuern. 1, 2

Wie wird eine renale Anämie festgestellt?

Der Hämoglobinwert (Hb) zeigt, ob eine Anämie besteht. Weitere Werte des Blutbilds – etwa die Anzahl und Größe der roten Blutkörperchen sowie die Anzahl junger roter Blutkörperchen (Retikulozyten) – helfen bei der weiteren Einordnung. Ergänzend werden Ferritin und die Transferrinsättigung (TSAT) bestimmt: Ferritin gibt Hinweise darauf, wie gut die Eisenspeicher des Körpers gefüllt sind. Die TSAT zeigt, wie viel Eisen im Blut für die Bildung roter Blutkörperchen verfügbar ist. Je nach Befund können weitere Untersuchungen nötig sein, um andere Ursachen der Anämie auszuschließen. 3

Wie wird sie behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Beschwerden, Stadium der Nierenerkrankung und Ihren persönlichen Voraussetzungen. Zunächst werden behandelbare Ursachen – zum Beispiel ein Eisenmangel oder Blutverlust – erkannt und möglichst behoben. 2, 3

Je nach Befund kommen eine Eisentherapie und Medikamente infrage, die die Bildung roter Blutkörperchen unterstützen. Eine Bluttransfusion ist besonderen Situationen vorbehalten. Welche Behandlung geeignet ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam. 3

Gut zu wissen

Besteht der Verdacht auf eine renale Anämie, sollten die weitere Abklärung und Behandlung in Abstimmung mit einer Nierenärztin oder einem Nierenarzt erfolgen. 2

Eisenmangel bei CKD

Wenn Eisen fehlt – oder nicht ausreichend verfügbar ist

Warum ist Eisen wichtig? Der Körper benötigt Eisen, um Hämoglobin und rote Blutkörperchen zu bilden. Ein Eisenmangel kann deshalb zu einer Anämie beitragen. Er kann aber auch ohne Anämie bestehen und mit Beschwerden einhergehen. 3

Bei einer chronischen Nierenerkrankung können zwei Situationen auftreten: Die Eisenspeicher sind tatsächlich geleert – oder es ist noch Eisen gespeichert, steht der Blutbildung aber nicht ausreichend zur Verfügung. Letzteres wird als eisenrestringierte Erythropoese bezeichnet (früher: funktioneller Eisenmangel). Entzündungsprozesse können dabei eine Rolle spielen. 3

Einfach gesagt

Manchmal fehlt Eisen im Körper. Manchmal ist Eisen vorhanden, kann aber für die Blutbildung nicht gut genutzt werden. Blutwerte und die persönliche Krankengeschichte helfen, beides voneinander zu unterscheiden.

Mögliche Beschwerden

Ein Eisenmangel kann sich unterschiedlich bemerkbar machen. Mögliche Beschwerden sind:

  • Müdigkeit

  • verminderte Belastbarkeit

  • Konzentrationsprobleme

Kommt zusätzlich eine Anämie hinzu, können außerdem auftreten:

  • Kurzatmigkeit

  • Kopfschmerzen

Da diese Beschwerden auch andere Ursachen haben können, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. 3

Wie wird Eisenmangel festgestellt?

Ein einzelner Blutwert reicht meist nicht aus. Ärztinnen und Ärzte beurteilen unter anderem Hämoglobin, Ferritin und die Transferrinsättigung (TSAT) gemeinsam. Ferritin gibt Hinweise auf die Füllung der Eisenspeicher; die TSAT zeigt, wie viel Eisen für die Blutbildung verfügbar ist. Die Werte werden immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Entzündungen, Blutverlusten und der Nierenfunktion betrachtet. 3

Wie wird Eisenmangel behandelt?

Zunächst wird nach möglichen Ursachen gesucht – zum Beispiel nach Blutverlusten oder einer unzureichenden Eisenaufnahme. Wenn eine Eisentherapie nötig ist, kann Eisen je nach Situation als Tablette beziehungsweise Kapsel oder als Infusion über die Vene (intravenös) gegeben werden. 2, 3

Welche Form geeignet ist, hängt unter anderem vom Stadium der CKD, einer Dialysebehandlung, der Ausprägung des Eisenmangels, der Verträglichkeit und dem bisherigen Behandlungserfolg ab. Wird Eisen zum Einnehmen nicht vertragen oder wirkt es nicht ausreichend, kann intravenöses Eisen erwogen werden. Bei einer Hämodialyse wird Eisen in der Regel intravenös gegeben. 3

Bitte nicht auf eigene Faust behandeln

Nehmen Sie Eisenpräparate nur nach ärztlicher Untersuchung und Empfehlung ein.
Die richtige Dosis und Behandlungsdauer richten sich nach Ihren Blutwerten und Ihrer persönlichen Situation. 2, 3

Wann sollten Sie das Behandlungsteam ansprechen?

Sprechen Sie neue oder anhaltende Beschwerden wie ausgeprägte Müdigkeit, nachlassende Belastbarkeit, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Regelmäßige Blutkontrollen sind wichtig, weil eine Anämie oder ein Eisenmangel anfangs auch ohne deutliche Beschwerden bestehen kann. 2, 3

Diese Informationen ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.
Bitte besprechen Sie Fragen zu Untersuchungen und Behandlung mit Ihrem Behandlungsteam.

Referenzen

1Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(Suppl 4S):S117–S314. doi:10.1016/j.kint.2023.10.018.
2 Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. (DEGAM). Versorgung von Patient*innen mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis. S3-Leitlinie. AWMF-Register-Nr. 053-048; DEGAM-Leitlinie Nr. 22; Version 2.0. Stand 06/2024.
3 Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Anemia Work Group. KDIGO 2026 Clinical Practice Guideline for the Management of Anemia in Chronic Kidney Disease (CKD). Kidney Int. 2026;109(Suppl 1S):S1–S99. doi:10.1016/j.kint.2025.06.006.